Siedlung im Bourtanger Moor

Das Bistum Minden und die Holzhauser Mark
Das Bistum Minden und die Holzhauser Mark

Der münstersche Minister Freiherr von Fürstenberg lässt 1784/85 die Vermessung der Landesgrenze sowie die Erstellung eines Gutachtens über die wirtschaftliche Lage und eventuelle Siedlungsmöglichkeiten im Bourtanger Moor vornehmen. Das Gutachten sieht ursprünglich die Anlage von Kolonien auf Sandrücken am Übergang von Moor und Heide vor, wobei die Moorflächen nach Trockenlegung als Grünflächen genutzt werden sollen. Um eine effektive Moorbrandkultur zu erreichen, sollen die Plaazen der zukünftigen Siedler sechs- bis achtmal so groß wie die gewöhnlichen Plaazen sein.

Kaum verwunderlich, dass die empfohlene Größe der Plaazen, vor allem wegen der damit verbundenen Einschränkung der Markennutzung, bei den Altgemeinden auf Ablehnung stößt. Indem jedoch die mit der Kolonisation beauftragte Kommission zunächst einmal versucht, sich über die Rechte der Markgenossen hinwegzusetzen, provoziert sie deren offenen Widerstand, der mit dem Beschluß, die Plaazen der Kolonisten zu verkleinern, vorerst beschwichtigt werden kann. Diese Entscheidung wird sich allerdings als folgenschwer für die Zukunft der Neusiedler erweisen, denn mit einer Verkleinerung der Plaazen entzieht man ihnen von vorn herein die wirtschaftliche Existenzgrundlage - ihre Verarmung ist vorprogrammiert.

Internationaler Naturpark Bourtanger Moor
Internationaler Naturpark Bourtanger Moor

Trotz der Zugeständnisse der staatlichen Kommission dauert der Widerstand der Gemeinden an und erzwingt schließlich die gänzliche Verlagerung der Neuansiedlungen in das Moor. Die Nachgiebigkeit der Kommission ist mit großer Wahrscheinlichkeit auf die Furcht der münsterschen Regierung vor einem Eingreifen der Reichsgerichte zurückzuführen, da ein Urteil zugunsten der Markenberechtigten im äußersten Fall vielleicht zu einer gesamten Verhinderung der Kolonisationpläne hätte führen können.

So leitet der Staat den einmaligen Kolonisationsakt von 1788 lediglich ein, indem er mit der Vergabe von Plaazen und der Gewährung einer zehnjährigen Steuerbefreiung die rechtlichen Voraussetzungen zur Besiedlung des Bourtanger Moores schafft. Eine staatliche Hilfe für den tatsächlichen Auf- und Ausbau der Kolonien gibt es jedoch nicht. Die gesamte Last der Erschließungsarbeiten wird allein den mittellosen Kolonisten überlassen. 

Herkunft und Motivation der Moorkolonisten

Anhand von Besiedlungsprotokollen und Kirchenbüchern ist nachzuweisen, dass es sich bei den Siedlern, bis auf wenige Ausnahmen, größtenteils um emsländische Familien handelt.

Ohne große finanzielle Reserven und völlig auf sich selbst gestellt in einem Gebiet ansässig zu werden, das noch in keiner Weise erschlossen ist, ist ganz abgesehen von den im Moor herrschenden naturräumlichen Bedingungen sicherlich kein kleines Wagnis. Bereits beim Transport der Habseligkeiten zur erworbenen Plaaze macht sich ein das Leben im Moor prägendes Handikap bemerkbar. Da man nicht ohne weiteres mit Gespannen oder ähnlichen Transportmitteln in das Moor hineinfahren kann, sind die Siedler gezwungen, ihre Besitztümer selbst zu tragen. Die Unwegsamkeit des Untergrundes erschwert jegliche Fortbewegung im Moor. Zu Fuß ist spezielles Schuhwerk, "breite, platte Holzschuhe", erforderlich, um sich vor der Nässe und vor allem vor dem Einsinken zu schützen. Auch das Springen von "Bült zu Bült" mit der Unterstützung eines Stabes, dem "Pulsstock", konnte auf dem Weg in benachbarte Ortschaften zum Kirchgang oder dem Einkauf der benötigten Lebensmittel unvermeidlich sein.

Rauchhaus in Achternmeer, erbaut ca. 1834,
Rauchhaus in Achternmeer, erbaut ca. 1834,

Wohnverhältnisse

Probleme bereitet der Untergrund auch beim Bau einer Unterkunft. Wegen der großen Nässe mancher Plaazen kann es ausgesprochen schwierig sein, überhaupt einen geeigneten Bauplatz zu finden. Aus Birkensparren, Plaggen und Erdschschollen werden innerhalb eines Tages zunächst einfache Hütten gebaut. Diese Hütten bestehen meist aus einem einzigen Raum, der in den Wohn-, Schlaf- und Kochbereich sowie den Bereich für die Stallung der Tiere unterteilt ist. Gekocht wird auf einer offenen Herdstelle, deren Rauch durch die Ritzen zwischen den Erdschollen abzieht, da kein Schornstein vorhanden ist.

Sofern die wirtschaftliche Lage es erlaubt, werden die Hütten durch größere und festere Häuser ersetzt. Aus finanziellen Gründen kaufen die Siedler häufig ältere Häuser oder Scheunen in den umliegenden Ortschaften, um sie auf der Plaaze wieder aufzubauen. Verbreitet ist im gesamten Bereich zwischen Weser und Ems zum Teil bis weit in das 19. Jahrhundert hinein das sog. Rauchhaus, das seinen Namen dem nicht vorhandenen Kamin als Rauchabzug verdankt. Der vom Herdfeuer aufsteigende Rauch dringt durch das Dach nach außen. das seinen Namen dem nicht vorhandenen Kamin als Rauchabzug verdankt. Der vom Herdfeuer aufsteigende Rauch dringt durch das