Deutsche Hochmoorkultur

Dunkle Rauch- und Rußwolken über Bremen
Dunkle Rauch- und Rußwolken über Bremen

Was heute kaum noch vorstellbar ist, das war im 19. Jahrhundert an der Tagesordnung. Die Luftverschmutzung stammte nicht aus Fabrikschornsteinen, sondern von den Feldern der Moorgegenden in Norddeutschland. In jedem Frühjahr legten die in den ausgedehnten Mooren Nordwestdeutschland lebenden Bauern Brände im Moor, um mit der zurückbleibenden Asche die nährstoffarmen Moorböden für den Anbau von Dinkel zu düngen.

Die Umweltbelastungen erreichten solche Ausmaße, dass sich in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts Bürgerinitiativen bildeten. Die Entwicklung weniger umweltschädlicher Landbewirtschaftungstechniken wurde vehement eingefordert. Auf Initiative des Nordwestdeutschen Vereins gegen das Moorbrennen und des Naturwissenschaftlichen Vereins Bremens sowie mit materieller und mit finanzieller Unterstützung des Preußischen Ministeriums für landwirtschaftliche Angelegenheiten und des Bremer Senats wurde im Jahre 1877 die Moorversuchsstation in Bremen gegründet.

Die Ergebnisse der Arbeiten führte zu einer neuen Methode der Hochmoorkultur und zur Wiederaufnahme der Moorkolonisationsbestrebungen.

Banter See und Ems-Jade-Kanal
Banter See und Ems-Jade-Kanal

1887 erwarb die hannoversche Provinzialverwaltung im Bourtanger Moor eine 440 Hektar große Moorfläche, entwässerte und teilte sie in Siedelungen von je 10 Hektar Größe. Diese wurden an Zeitpächter vergeben, nachdem etwa 2 Hektar des Bodens auf Provinzialkosten durch die in Aussicht genommenen Pächter urbar gemacht, für die Ernte vorbereitet und die Wohn- und Wirtschaftsgebäude errichtet wurden.

Nach Ablauf der Pachtperiode oder schon früher, konnte der Ansiedler das ganze Kolonat zum Buchwert (dem mit 4 Proz. zu verzinsenden Betrag aller gemachten Auslagen) gegen Kapitalzahlung oder als Rentengut käuflich erwerben.

1890 wurden ganz ähnliche Besiedelungsunternehmen in dem vom Ems-Jade-Kanal durchschnittenen Wiseder Moor in Ostfriesland (Marcardsmoor), in dem im Mündungsgebiet der Elbe gelegenen Kehdinger Moor (Kolonie Groß-Sterneberg) sowie in zwei holsteinschen Mooren (Reitmoor und Bargstedter Moor) begonnen. Die Unternehmungen zeigten erfreuliche Ergebnisse, so hatten z.B. die Bar- und Inventarvermögen der Ansiedler Nachweislich erheblich zugenommen.

Moorsoldaten

Unmittelbar nach dem Reichstagsbrand erließ Reichspräsident Hindenburg am 28. Februar 1933 die Verordnung „zum Schutz von Volk und Staat“ zur „Abwehr kommunistischer staatsgefährdender Gewaltakte“. Diese Notverordnung ermöglichte es u.a., politische Gegner ohne Angabe von Gründen und unter Ausschaltung der Justiz in Schutzhaft zu nehmen. Bis zum Juni 1933 wurden zwischen 20.000 und 25.000 Personen, überwiegend Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter, in bald überfüllte Gefängnisse und andere provisorische Haftstätten gesperrt.

Bereits im April erteilte das Preußische Innenministerium dem Regierungspräsidenten in Osnabrück den Auftrag, im Emsland für die Unterbringung von 3.000 bis 5.000 Gefangenen mehrere Lager einzurichten. Im Sommer schließlich wurden die Konzentrationslager Börgermoor, Esterwegen und Neusustrum als „Staatliches Konzentrationslager Papenburg“ fertiggestellt und mit 4.000 Häftlingen belegt, neben politischen Gegnern bald auch u.a. Zeugen Jehovas und sog. ‚Sicherungsverwahrte‘. Die Gefangenen, die sich selbst ‚Moorsoldaten‘ nannten, wurden bei der Kultivierung der emsländischen Moore zur Zwangsarbeit herangezogen.