Reichsabtei Corvey und die Hansestadt Höxter

Westflügel von Corvey mit Westwerkfassade
Westflügel von Corvey mit Westwerkfassade

Nach der Eroberung Sachsens wollte Karl der Große die Christianisierung in dem neu gewonnenen Gebiet durch die Gründung eines Reichsklosters festigen und fördern.

In einer Reichsversammlung auf der Paderborn Pfalz wurde 815 die Gründung des Klosters Neu-Corbie, dem späteren Corvey beschlossen. Bei dem Platz für das Kloster handelte es sich nach dem Gründungsbriefs von 823 um den Königshof an einem Ort, der lange Zeit schon Höxter hieß. Nachdem die Mönche den neuen Platz im Wesertal geheiligt hatten, begannen am 6. August 822 die Bauarbeiten. Noch im selben Jahr erschien Abt Adalhard mit Mönchen aus Corbie und legte bei einer feierlichen Versammlung die Regeln für die neue Gemeinschaft fest. Anschließend schickte er Wala an den Kaiserhof, um für Corvey die gleichen Freiheiten und den gleichen Königsschutz wie für die übrigen königsnahen Klöster im Kernraum des Frankenreiches zu erbitten.

König Konrad I. und die nachfolgenden ottonischen Herrscher beurkundeten und bestätigten die Zehntfreiheit aller Herrenhöfe des Klosters gegenüber den Bischöfen. Der Corvey-Experte Hans Heinrich Kaminsky vertritt die Ansicht, dass vor allem „der Zehntbezug aus bedeutenden Teilen der Diözesen Osnabrück und Paderborn Corvey zu einer Ausnahmestellung unter den deutschen Reichsabteien verhalf. Am 3. April 981 verfügte Papst Benedikt VII. die Exemtion Corveys: Die Reichsabtei unterstand jetzt unmittelbar und ausschließlich dem Hl. Stuhl.

Hochmittelalterliche Pfennige der Abtei Corvey: >>>
Hochmittelalterliche Pfennige der Abtei Corvey: >>>

Münzrecht

Bereits im Jahr 833 wurde durch Ludwig den Frommen die Verleihung des Markt- und Münzrechtes an die Abtei Corvey vorgenommem. Somit besaß das Kloster das königliche Recht, eigene Münzen zu prägen. Im Jahr 900 erhielt Corvey das Münzrecht für Horhusen (Niedermarsberg) und 945 für Meppen, im 13. Jahrhundert folgten Höxter und Volkmarsen.

Ansgar der päpstliche Legat für den Norden
Ansgar der päpstliche Legat für den Norden

Kloster Corvey wurde somit zu, Herrschaftssitz und Missionszentrum am Übergang des fränkischen Reiches zum Sachsenland. 100 Kaiser- und Königsbesuche gab es im 9. - 11. Jahrhundert. Die missionarische Tätigkeit der Corveyer Mönche beschränkte sich nicht nur auf umliegende Abteigebiet. Schon bald nach der Gründung begann man mit der Missionierung Skandinaviens.

Noch im 14. Jahrhundert verfügte das Kloster über 60 Kirchen. Diese gruppierten sich insbesondere um die Propsteien Gröningen und Obermarsberg, die ehemalige Missionskirche Meppen und Corvey selbst. In deren Nähe lagen zwei kleinere (später aufgegebene oder verlegte) Propsteien Nienkerken und tom Roden. Hinzu kam das von Corvey gegründete Kloster Schaaken, das unterstellte Kloster Werbe sowie das Kloster Kemnade. Eine besonders enge Beziehung pflegte Corvey zu dem Nonnenkloster in Herford, welches um 825 von den beiden corbianischen Gründermönchen Adalhard und Wala nach dem Vorbild von Notre-Dame de Soissons umgebaut und der Schutz- und Aufsichtsfunktion des Corveyer Abtes unterstellt wurde.   >>> mehr dazu: Kolonisation durch Klöster und Orden

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Siedlung Corvey

Die Äbte des Klosters Corvey verboten das Handwerk auf den Dörfern ihres Fürstentums, so daß die Landbewohner Kaufmannswaren und gewerbliche Güter kaufen und die Überschüsse der Landwirtschaft eintauschen musste. Die Siedlung Corvey entwickelte sich somit zur Stadt. Diese war der Konkurrenz mit Höxter allerdings nicht gewachsen. Deren Bürger zerstörten zusammen mit dem Bischof von Paderborn 1265 die Stadt Corvey. Die Stadt wurde wiederaufgebaut, sank aber bereits im 14. Jahrhundert zur Minderstadt („Freiheit“) und danach zu einem Dorf herab, ehe die Siedlung im 15.Jahrhundert wüst fiel.

Hansestadt Höxter

Überreste des Hellwegs im Teutoburger Wald
Überreste des Hellwegs im Teutoburger Wald

Die Siedlung Huxori, das spätere Höxter mit seinen Ländereien, wurde durch Kaiser Ludwig den Frommen 822 dem neu gegründeten Kloster Corvey zugesprochen. Der Ort lag günstig an den damaligen Fernstraßen von Bremen nach Kassel und an der Ost-West-Verbindung, dem sogenannten Hellweg. Er gilt als wichtigste früh- und hochmittelalterliche West-Ostverbindung für Könige und Kaiser und den Fernhandel nördlich der Mittelgebirgsschwelle. Der Hellweg verband das für das Königtum bedeutende Rhein-Maas-Gebiet mit dem Harzraum. Von Duisburg, Dortmund, Soest und Paderborn kommend überwand er bei Höxter die Weser und führte als Königsweg über Goslar mit den benachbarten Silberbergwerken am Rammelsberg und Magdeburg bzw. die Königspfalzen südlich vom Harz und Erfurt weiter nach Osten.

Weserbrücke; Federzeichnung von Johann Daniel Heinbach
Weserbrücke; Federzeichnung von Johann Daniel Heinbach

Höxter und Corvey besaßen im Vergleich zu anderen Siedlungen im Weserraum schon sehr früh eine Vorrangstellung durch feste Weserübergänge. Für Höxter ist spätestens seit 1115 eine Brücke belegt (Brückenmarkturkunde). Auf dem dazugehörigen Markt wurden Fernhandelswaren verkauft, die über den Hellweg in die Stadt gelangten. Höxters aufstrebende Entwicklung im frühen 12. Jahrhundert, die sich u.a. auch im Neubau der Kilianikirche um 1100 dokumentiert, geht mit einer letzten geistigen Blüte der Reichsabtei Corvey einher. Es gelang den in den Reichsfürstenstand aufgestiegenen Äbten von Corvey auf dem unmittelbar um Corvey herum gelegenen Güterbesitz eine eigene Landeshoheit aufzubauen. Das reichsunmittelbare Fürstentum der Äbte umfasste neben dem Kloster im wesentlichen die Stadt Höxter und sechzehn Dörfer.

Rathaus Höxter 1900 © Stadt Höxter
Rathaus Höxter 1900 © Stadt Höxter

Höxter Hauptstadt des Fürstentums Corvey 

Mit dem Ausbau der Siedlung ging die Ausbildung einer kommunalen Selbstverwaltung einher. 1206 wird die Existenz von Schöffen überliefert, 1224 Höxtersche Münze, 1235 erstmalig ein Rat. Um 1250 übernahmen Rat und Gemeinheit von Höxter das Dortmunder Stadtrecht. Etwa gleichzeitig wurde an Stelle eines älteren Vorgängerbaues, der als Markthalle angesprochen werden kann, das Rathaus auf dem Brückenmarkt errichtet. Die politische Ordnung des Gemeinwesens wurde von wenigen organisierten Berufsgruppen bestimmt. Die Gildebriefe der Schneider (1276) und der Kürschner (1280) sind die ersten Belege für diese Zünfte nördlich des Mains. Die Wahlordnung des Höxterschen Rates nennt 1314 Wandschneider, Kürschner, Wollweber, Schuster, Bäcker, Knochenhauer und Schmiede als politisch privilegierte Gilden, die den Rat wählen.

Seit dem 13. Jahrhundert gelang es den Bürgern, sich zunehmend aus der Herrschaft des Corveyer Abtes zu befreien. Gleichzeitig veränderten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erheblich, da der Hellweg über Höxter zugunsten neuer Brückenorte zunehmend an Bedeutung verlor. Die Stadt wandelte sich vom Fernhandelsplatz zum regionalen Marktort, der die umliegenden Dörfer versorgte.
1533 schlossen sich die Bürger der Reformation an, während der Corveyer Abt und die umliegenden Orte katholisch blieben. In dieser Epoche geistiger Neuorientierung und weitreichender städtischer Autonomie entstanden zahlreiche prächtige Fachwerkbauten der Weserrenaissance, die das Bild Höxters bis heute prägen.